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Keiser, Daniela | Diese Strasse, 2002 | (Detail) |  17-teilig, C-Prints |  je 33,8 x 44,7 cm  | Ed. 3 Ex.  | Installationsfoto: STAMPA Basel Keiser, Daniela
Diese Strasse, 2002
(Detail)
17-teilig, C-Prints
je 33,8 x 44,7 cm
Ed. 3 Ex.
Installationsfoto: STAMPA Basel Keiser, Daniela | Archiv, 2001-2003 | Raumvariable Installation  | Mixed Media, 8-12 Dias ||    Ausstellungsansicht Trümmerberg, Berlin Keiser, Daniela
Archiv, 2001-2003
Raumvariable Installation
Mixed Media, 8-12 Dias

Ausstellungsansicht Trümmerberg, Berlin Keiser, Daniela | Raum, 2002 | Eck-Skulptur, stehend  | 229 x 45 cm  | Fliesmörtel, Korund  | Ed. 6 Ex. + 1 a.e.  | Foto: STAMPA Basel Keiser, Daniela
Raum, 2002
Eck-Skulptur, stehend
229 x 45 cm
Fliesmörtel, Korund
Ed. 6 Ex. + 1 a.e.
Foto: STAMPA Basel Keiser, Daniela | Von Zeit zu Zeit, 2001/02 | 5 Glasobjekte |  Längen ca. 24 cm, 36 cm, 48 cm, 60 cm, 72 cm |  Mundgeblasene, handgeformte Glasobjekte, Quarzsand  |  Unikate  | Ed. 5 Ex. Keiser, Daniela
Von Zeit zu Zeit, 2001/02
5 Glasobjekte
Längen ca. 24 cm, 36 cm, 48 cm, 60 cm, 72 cm
Mundgeblasene, handgeformte Glasobjekte, Quarzsand
Unikate
Ed. 5 Ex. Keiser, Daniela | Wilde Katze, 2002 | C-Print  |  32 x 47cm Keiser, Daniela
Wilde Katze, 2002
C-Print
32 x 47cm
DANIELA KEISER
21. Januar 2003 – 29. März 2003

Daniela Keiser thematisiert in ihrer Ausstellung in der Galerie STAMPA den Themenkreis von Reisen, Erkunden, Expedition und Erinnerung, indem sie das Sehens-Würdige selber zum Erlebnis von Raum und Zeit macht. In der Fremde oder auch nur unterwegs zu sein, bedeutet eine Veränderung im Raum- und Zeitempfinden; die Welt scheint sich anders zu drehen als sonst. Die Künstlerin eröffnet Optionen, die Welt nicht nur zu erkunden, sondern auch neu zu sehen.

Die Serie Diese Strasse lädt mit dem Motiv der ins Unendliche führenden Strasse zum Gedankenspiel mit dem Mythos des Roadmovie ein – „diese Strasse" – die Strasse, die sich aus unzähligen ihresgleichen in der Welt zusammenfügt und gerne gleichgesetzt wird mit endlosem Raum, unbeschränkter Zeit, bedingungsloser Freiheit. In der ganzen Serie weist die Landschaft keinen einzigen Schatten auf und eröffnet durch diesen absoluten Augenblick der Schattenlosigkeit räumliche und zeitliche Dimensionen, die der Mensch vor allem in seiner Empfindung kennt – das Gefühl der Grenzen- und Zeitlosigkeit erhält einen visuellen Ausdruck, Raum und Fläche scheinen ineinander verflochten, Körper wird Abstraktion.

Raum und Zeit und sind zwei Konstanten in der gesamten Ausstellung. Bezeichnend für Keisers Schaffen ist die eigentümliche Tatsache, dass die Sichtbarwerdung temporaler und räumlicher Empfindungen nicht zu einer statischen Definition eines Sachverhalts führen. Die Bilder, Installationen, Skulpturen erscheinen wie eine leichte Geste, die das Offene und Ungreifbare von unmittelbaren und rational nicht nachvollziehbaren Gedanken andeutet. Eine konzentrierte Form erhält diese Geste in Keisers Skulpturen, die durch ihre Objekthaftigkeit an den Raum gekoppelt sind und ihn durch ihre Gattungsspezifik und ihre künstlerische Beschaffenheit zur Sprache bringen.
Harmonisch geformte Sanduhren (Von Zeit zu Zeit) tragen mit dem rieselnden Sand nicht nur die Flüchtigkeit der Zeit in sich, sondern auch deren unmittelbare körperliche Erfahrung, da sie nur durch das manuelle Halten funktionieren. Dabei löst sich die vermeintliche Mess-Einheit der gläsernen Zeit-Räume in einen Raum des Erlebens und dessen unskalierte Zeitdimension auf.
Ein Baum in der Farbe der Galeriewand schmiegt sich in eine Ecke und thematisiert damit den Raum selber sowie sich selbst. Er ist selbst Raum, er belebt ihn als wolle er die Wände durchwachsen, zugleich hat er aber einen höchst künstlichen skulpturalen Charakter. Er verändert den Raum – vollzieht aber keine Setzungen und hält damit Fragen zu seiner Körperhaftigkeit und Position offen. Wie bei vielen Arbeiten von Daniela Keiser ist auch hier der Titel Teil der Arbeit: Raum

Ein Archiv versucht, Dokumente, Bilder, Akten als historische Zeugen zu ordnen, zu bewahren und damit ein gesellschaftlich relevantes Gedächtnis zu schaffen. In der Installation Archiv werden die Faktoren Geschichte, Zeit und Erinnerung in direkter Weise miteinander verbunden. Der Schrank ist aus hauseigenen Materialien zusammengebaut, die bereits für andere Zwecke gedient haben. Für das projizierte Dia eines Trümmerbergs in Berlin hat sich die Künstlerin nicht wie bei anderen Arbeiten aus ihrem „wissenschaftlichen Archiv" bedient, sondern fertigte es selbst mit einer Kleinbildkamera an. Der Trümmerberg in Berlin ist einerseits ein stilles Mahnmal an die Schrecken des 2. Weltkrieges, heute dient er aber auch als Naherholungsgebiet, von dem aus man eine prächtige Aussicht in die umliegende Landschaft geniessen kann. Alte, zerstörte Substanz erhält durch den Wandel der Zeit eine neue Bedeutung – seien es Kriegstrümmer, recycliertes Baumaterial oder die historische Erinnerung einer Gesellschaft. Zeit und Raum erfahren im Laufe der Geschichte und des menschlichen Gedächtnisses stets neue Dimensionen. Und vielleicht hat ein Trümmerberg mehr mit einem Gedächtnis-Archiv gemeinsam als eine systematischen Ordnung von Dokumenten: Man stösst eher zufällig auf etwas als dass man ausgerechnet das findet, was man sucht.

Fiona Siegenthaler / STAMPA Basel