Start / Ausstellungen / VERGANGENE / 2015 / DANIELA KEISER Clugén, Magùn, Promigiur
Rad, 2015 | Video, S/W, ohne Ton, 49‘ | Box mit Video und 7 Videostills, | je 21 x 30 cm | Ed. 5 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Rad, 2015
Video, S/W, ohne Ton, 49‘
Box mit Video und 7 Videostills,
je 21 x 30 cm
Ed. 5 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Clugén, Magùn, Promigiur, 2015 | Raumvariable Audioinstallation | Fotografisches Wandfries mit Rednerpult | Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Clugén, Magùn, Promigiur, 2015
Raumvariable Audioinstallation
Fotografisches Wandfries mit Rednerpult
Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Ausstellungsansicht DANIELA KEISER Ausstellungsansicht DANIELA KEISER bergen, 2011-2013 | S/W-Fotografien, 55-teilige Serie | je 21 x 30 cm / 30 x 21 cm | Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign. bergen, 2011-2013
S/W-Fotografien, 55-teilige Serie
je 21 x 30 cm / 30 x 21 cm
Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Cyanogarten, 2015 | Fotografisches Wandbild | 40 Cyanotypien auf BFK-Rives-Papier | ca. 285 x 615 cm | Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Cyanogarten, 2015
Fotografisches Wandbild
40 Cyanotypien auf BFK-Rives-Papier
ca. 285 x 615 cm
Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Television, 2015	| C-Prints, 5-teilige Serie | je 20 x 30 cm / 30 x 20 cm | Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign. Television, 2015
C-Prints, 5-teilige Serie
je 20 x 30 cm / 30 x 20 cm
Ed. 3 Ex. + 1 a.c., num. + sign.
DANIELA KEISER
Clugén, Magùn, Promigiur

3. Juni 2015 – 29. August 2015
 
Der Ausstellungstitel Clugén, Magùn, Promigiur bezeichnet drei Orte im Schweizer Kanton Graubünden: ein Dorf und zwei Maiensässe am Schamserberg (rätoromanisch ‚Muntogna da Schons‘), der an der südöstlichen Flanke des Piz Beverin und am westlichen Talhang des Schams liegt.
  
Dieser sprachliche Dreiklang verortet die Ausstellung aber nicht geografisch oder linguistisch, sondern ist der Titel einer konzeptuellen Übersetzungsarbeit von Daniela Keiser. Sie wird in Raum 2 als mehrsprachige Audioinstallation mit Rednerpult und fotografischem Wandfries präsentiert. Während Letzteres die 1925-1926 von Robert Maillart erbaute und unlängst restaurierte Valtschielbrücke in Donat zeigt, liegt auf dem Pult das Transkript eines im Atelier der Künstlerin veranstalteten Symposiums zu Übersetzungsfragen. Akustisch erfüllt den Raum eine in Bündner Mundart verfasste und anlässlich der Wiedereröffnung der Brücke gehaltene Rede, welche die Künstlerin in verschiedene Idiome des Bündnerromanischen (und ins Englische) hat übersetzen lassen. Hier hallt sie wider als vielstimmige Schilderung des umwegreichen Alltags in den Bergen, als es noch keine Brücken gab.
  
Dem gegenüber steht die Werkserie bergen als Porträt einer heute brachliegenden und nur noch zu Freizeitaktivitäten genutzten Hügellandschaft am Rande Berlins. In 55 S/W-Fotografien, die eine von Bauschutt und wilder Vegetation geprägte Landschaft zeigen, reflektiert Keiser erneut Landschaftsräume und Lebenswelten, Vergangenheit und Gegenwart. Indirekt gilt dies auch für das Verhältnis von Bild und Text im Rahmen des gleichnamigen Buchprojektes bergen. Hier stehen Keisers über Jahre dokumentierte Alltagsszenen im Dialog mit der vom Grauen des 2.Weltkriegs geprägten Familiengeschichte der Schweizer Autorin Nadine Olonetzky.
  
Das spielerische Moment des Radschlagens, das schon in bergen ein wiederkehrendes Motiv darstellt, wird in der Videoarbeit Rad zur zentralen Handlung in Endlosschleife und zur Hommage an das sich drehende Rund. Radschlagen versteht Daniela Keiser als Bewegung, Spiel und Perspektivveränderung: Die Welt steht Kopf – ganz gleich ob es sich um eine Landstrasse, einen Friedhof oder ein Hafenbecken handelt oder schlicht um eine Wiese, das Hochgebirge oder Meer. In ihrer filmischen Collage zeigt sie deren Facettenvielfalt im Kontrast zur formalen Wiederholung eines immer gleichen Bewegungsablaufes. Mit dessen Zerstückelung in verschiedene Phasen bzw. in langsam aufeinanderfolgende Einzelbilder und Überblendungen visualisiert sie so auch das Phänomen Zeit, indem sie das Vergehen und Verbringen von Zeit thematisiert. (Manuela Kraft)
  
Eine horizontlose Landschaft aus kleinteiliger Felderwirtschaft und waldigen Hügeln erstreckt sich im 40-teiligen fotografischen Wandbild mit dem Titel Cyanogarten, das auf eine seltene Technik verweist: die Cyanotypie. Mit ihrem intensiven, monochromen Blau entfernt sich die Arbeit von rein abbildenden Zielen und verwandelt die Gegenwart in latente Vergangenheit, deren Grenzen sich fliessend zu Gegenwart und Tagtraum verschlaufen. Durch die enorme Grösse der Arbeit taucht man nicht nur in die fremdvertraute Gegend ein, sondern vergisst auch, ob man wacht, träumt oder schläft. (Daniela Keiser)