Ausgestattet, 2007 / 2026
37+, 2026
Rostige Ketten, 2026
Zehenkette I, 2026
Kratzbaum, 2026
Fibi climbing I, 2026
Tor II (Elsässer Wolken), 2022
Tor I (geht doch), 2022
Scherbe mit Pfeife, 2010
Bananen im Sack, 2008
Sex for a Sculpture, 2006 Martina Gmür inszeniert in ihren Ausstellungen komplexe Räume, in denen man die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Installation hinter sich lässt. In ihren Werken führt sie Themen wie Form, Material, Opazität und Durchlässigkeit spielerisch vor. Mit Freude am Zeigen und Verstecken – am Kreisen um das Bild – berührt sie grundlegende Fragen der Malerei, ohne diese aufzudrängen oder ihre Leichtigkeit zu verlieren. Am Malen interessiere sie vor allem das Zeichnen und etwas zu zeigen, das wiedererkennbar ist, mit dem Wortschatz einer Art reduzierten Erzählsprache.
Isoliert gemalte Objekte und Fragmente, die uns vor weissem oder schwarzem Hintergrund wie reale Objekte entgegentreten, ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Werk. In der Umkehrung werden sie zu ausgesparten Formen, ausgebohrten oder ausgesägten Löchern im Bild. Auch da, wo die Künstlerin auf durchsichtige Plastikfolien malt, oder wo sie die auf Holztafeln gemalten Objekte entlang ihrer Umrisslinie aussägt, geht es um Konturen und Linien, die eine Form umgrenzen und körperliche Präsenz behaupten.
Die Themen ihrer medienübergreifenden Malerei, zu denen auch Wild- und Hauskatzen zählen, überträgt Gmür mit gleicher Prägnanz und Leichtigkeit auch ins Medium der Keramik. An ihrer neuen Werkserie Ketten interessiert sie die Aneinanderreihung und das Bewegliche, das zugleich Stabile und Fragile des gebrannten Tons. Bei der Zehenkette verschmilzt dieses Interesse mit dem thematischen Überbau der Ausstellung – dem Schuh: «Der Schuh ist das Material, in dem wir uns auf dieser Welt bewegen; sozusagen die Membran, die Grenze, die wichtig ist, um in Kontakt zur Aussenwelt, zum Anderen zu sein.»
So verweist der Ausstellungstitel 37+ auf die Schuhgrösse der Künstlerin und die gleichnamige begehbare Raumskulptur eines überdimensionalen Schuhs. Die subtile Gestaltung der Skulptur von innen und aussen, die ausgesuchten Materialien und deren Konstruktion zur Formgebung, die zarte Farbgebung und die handgefertigte Hülle aus Jute sind tragende Elemente ihrer skulpturalen Präsenz.
Als zentrale Arbeit der Ausstellung wird sie als Einladung verstanden, «sich im Kleinen zu bewegen und begegnen. Mich interessieren Kunstwerke, in die man hineingehen kann. Für die Ausstellung habe ich mir diesen Wunsch erfüllt.» Gmürs raumgreifende Skulptur schafft so einen Erlebnisraum fürs Innehalten, für Reflexion und ein von innen nach aussen gerichtetes Experiment, das Zweck und Dimension, Interaktion und Trennung in Verbindung bringt.